PCT Woche 3 – Paradise Valley Café bis Cabazon

von | Mai 1, 2019 | 4 Kommentare

In diesem Beitrag schreibe ich über meine dritte Woche auf dem Pacific Crest Trail. Es ging vom Paradise Valley Café bei Mile 156 nach Cabazon Mile 210. In der PCT Woche 3 hatte ich meine erste Schnee Erfahrung und meine ersten Hitzeextreme auf der Agenda. Falls du den Beitrag der zweiten Woche verpasst hast, hier geht es zum Beitrag: PCT Woche 2.

Karte – Pacific Crest Trail Woche 3

25. Oktober 2019 13:45
  • Distanz 85 km
  • Zeit 21 h 8 min
  • Geschwindigkeit 4.0 km/h
  • Min Höhe 364 m
  • Gipfel 2757 m
  • Aufsteigen 2850 m
  • Absteigen 3995 m
  • Distance Instructions
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Tag 15: Früh aus den Federn

Day: 19. April 2019
Distanz: 12,8 mi, 20,5 km
Kumuliert: 168,5 mi, 269,1 km

Es geht früh los und ich habe nur noch wenig Wasser. Nach ein paar Meilen habe ich die Möglichkeit Wasser nachzufüllen. Dazu geht es eine halbe Meile vom Trail bergab zu einem Wassertrog. Welch Überraschung: eine tote Maus im Wasserbehälter… halb so wild, ich filtere mein Wasser direkt am Wasserauslass. Sicher ist sicher.

Anschließend geht es die Berge hinauf und durch eine bizarre Landschaft. Vor einem Jahr hat hier ein riesiges Feuer gewütet und nur kahle Bäume zurückgelassenen. Am Campspot angekommen beschließen wir zu Cowboycampen (schlafen unter freiem Himmel, ohne Zelt), da der Wind zu stark ist und es zu wenig Platz gibt. Zur Belohnung des Tages gibt es einen tollen Sonnenuntergang und einen wahnsinnigen Mondaufgang. Es ist übrigens Vollmond, angenehme Träume.

Tag 16: Der erste Schnee und mein Trailname in Idyllwild

Day: 20. April 2019
Distanz: 10,9 mi, 17,4 km
Kumuliert: 179,4 mi, 287 km

Nach dem Aufstehen geht es weiter bergauf. Der Wind wird immer stärker und wir kommen auf Schneehöhe. Nach kurzer Zeit treffe ich Liran aus Israel wieder, mit dem ich bei Scout und Frodo in einem Zelt geschlafen habe. Wir freuen uns über das Wiedersehen und Liran erzählt mir, dass er das letzte Mal mit 9 Jahren Schnee gesehen hat. Er ist auf Wolke Sieben.

Da ich für diesen Abschnitt keine Microspikes eingeplant hatte, laufe ich vorsichtig über das Eis. Es ist super gefährlich und die ersten fangen mit dem Postholing an. Postholing ist wenn die feste Schneedecke nachgibt und man mit einem oder beiden Beinen Knie- bzw Hüfttief einsackt. Kein Spaß und sehr kräftezehrend.

Ich sacke auch mehrmals ein und merke mit einem Mal wie sich mein Knie in einem tiefen Loch überstreckt. Ein höllischer Schmerz durchdringt meinen Körper. Ich versuche aus dem Loch rauszukommen und schaffe es schließlich. Humpelnd geht es weiter. Auf einmal merke ich, dass ich den Teil nicht mehr sehen kann. Lila (Trailname: Rabitt Rabitt) holt Karte und Kompass aus der Tasche und navigiert unsere Vierergruppe erfolgreich zur Saddle Junction, dem Abstieg in den Ort Idyllwild.

In Idyllwild gibt’s erstmal Pizza, Bier und das Wiedersehen mit anderen Hikern. Um den Tag versöhnlich zu beenden entern wir eine Karaoke Bar. Die Musik kommt so gut an, dass ein paar Leute am Tresen unser Bier bezahlen und ich meinen Trailnamen verpasst bekomme: Jukebox. Ein perfekter Tagesabschluss.

Tag 17: Ruhetag in Idyllwild

Day: 21. April 2019
Distanz: 0 mi, 0 km
Kumuliert: 179,4 mi, 287 km

Der erste Ruhetag in Woche 3 steht auf dem Programm. Ausschlafen und mit einer heißen Dusche den Dreck der letzten Tage vom Leib schrubben stehen auf meiner Checkliste ganz oben. Anschließend geht es zum Sonntagsbrunch in Tommys Kitchen. 17,99$ all you can eat ist für Hiker ein Top Angebot. Ich will gesundes Essen: Salat, Humus, Pasta, Gemüse, Obst und alles was das Herz begehrt. Nach einer Stunde sind alle vollgefressen, zufrieden und kaum in der Lage zurück zum Campingplatz zu laufen.

Mein Knie schmerzt noch immer und ich beschließe für die nächsten Etappen Microspikes zu kaufen. Auf dem Campingplatz treffe ich Tom, er ist Physiotherapeut und schaut sich mein Knie an. Scheint in Ordnung zu sein. Ich massiere es mit Tigerbalm ein und gönne mit etwas Ruhe.

Tag 18: Zurück auf den PCT

Day: 22. April 2019
Distanz: 0 mi, 0 km
Kumuliert: 179,4 mi, 287 km

Bevor es zurück auf den PCT geht muss der Bauch mit einem ordentlichen Frühstück aufgefüllt werden. Es geht ins Red Kettle und ich bestelle mir Obst, Gemüse und ein Omelett. Es ist fantastisch und lecker. Anschließen muss Wäsche gewaschen werden. Ich schlüpfe also in meine Regensachen und wasche alle Klamotten aus meinem Rucksack. Zu guter Letzt geht’s in den Supermarkt. Resupply: Essen für die nächsten 6 Tage nach Big Bear inklusive dem Aufstieg zum Berggipfel des Mount San Jacinto einkaufen.

Gegen 16:00 ist alles erledigt und zwei Trailangels fahren unsere Fünfergruppe zurück zum Anstieg. Es geht wieder hinauf auf den Berg und es erwarten uns eisige Temperaturen.

Tag 19: San Jacinto Summit

Day: 23. April 2019
Distanz: 8,1 mi, 13 km
Kumuliert: 187,5 mi, 300 km

Heute geht es auf den Gipfel des San Jacinto (3.302 Meter/ 10.834 Fuß). Es ist ein eiskalter Morgen und wir quälen uns alle aus den Schlafsäcken. 6:30 starten wir den Aufstieg. Nach ein paar Meilen geht es ohne Microspikes nicht weiter. Ein paar weitere Meilen später geht es im Tiefschnee steil bergauf und der PCT kann nur über GPS erahnt werden. Oben angekommen gibt es bei angenehmen Temperaturen einen verdiente Pause.

Martin auf dem San Jacinto
Auf dem San Jacinto

Der Abstieg gestaltet sich schwieriger als gedacht. Nach ein paar Metern rutsche ich aus und komme nur mit Mühe und Not zum Stehen. Mein Haltemanöver hat zur Folge, dass einer meiner Wanderstöcke durchbricht. Es gilt höchste Konzentration beim Abstieg.

Am Campspot angekommen sind wir alle platt und ausgelaugt. Der Abstieg hat nicht nur körperliche Kräfte gezerrt. Mein Gehirn fühlt sich aufgrund der hohen Konzentration beim Abstieg an wie nach einer Hammerklausur. Es fehlt die Kraft zum Zeltaufbau. Cowboycampen mit nassen und kalten Füßen. Einfach raus aus den nassen Socken. Gute Nacht.

Tag 20: Der eisige Abstieg über die Fuller Ridge

Day: 24. April 2019
Distanz: 9,8 mi, 15,7 km
Kumuliert: 197,3 mi, 315,7 km

Am frühen Morgen geht es in meine halbgefrorenen Schuhe. Es ist wieder verdammt kalt und ein vorankommen ohne Microspikes unmöglich. Nach ein paar Stunden höchster Konzentration erreichen wir über die Fuller Ridge schneefreies Gelände und atmen auf. Ich habe beim Postholing im Tiefschnee meine GoPro verloren, bin jedoch heilfroh diesen Teil des PCT hinter mich gebracht zu haben. Es war einfach hart.

Die Temperaturen steigen schlagartig an je tiefer wir wandern. Von Schnee und Wasser überall geht es übergangslos in ein trockenes Wüstenklima über. Wir peilen die nächste Wasserstelle an um unsete Vorräte aufzufüllen. Die letzten Meilen führen auf einen Campspot der erneut zum Cowboycamping einlädt.

Tag 21: Hinab in höllische Temperaturen

Day: 25. April 2019
Distanz: 12,8 mi, 20,5 km
Kumuliert: 210,1 mi, 336,2 km

Es geht weiter bergab. Sonne und Hitze sind gnadenlos. Das Klima zwingt zu vielen Pause, es gibt jedoch wenig Schattenplätze. Der Kampf mit dem inneren Schweinehund beginnt.

Die letzten Meilen führen durch ein ausgetrocknetes Flussbett. Es ist wie in einem Ofen. Ein Thermometer zeigt 132°F (55°C) in der Sonne an. Es muss kaputt sein… Alle Wüsten Szenen aus den Filmen mit Clint Eastwood schießen in mein Gehirn. “Nicht verdursten Cowboy, es sind nur noch ein paar Meilen!” sage ich zu mir und kämpfe mich durch den weichen Sand im Flussbett.

Endlich komme ich total fertig an der Brücke für den Highway 10 an – hier gibt es Schatten. Dort lagern auch noch andere Hiker und schützen sich vor der Sonne. Wir beschließen zu viert nach Cabazon zu trampen, einzukaufen und was zu essen. Ein dicker Burrito füllt meine leeren Batterien wieder auf. Anschließend trampen wir zurück auf den Trail und suchen einen Platz zum Schlafen.


Ich habe die dritte Woche auf dem Pacific Crest Trail überstanden. Sie war nicht einfach, ich konnte aber viele neue Sachen dazu lernen. Seid gespannt wie es weiter geht. Hier geht es direkt zur vierten Woche.

Falls euch dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich über ein Like, ein Herz oder ein Lächeln auf eurem Gesicht. Falls ihr Fragen, Anregungen oder Kritik habt, freue ich mich auf eure Kommentare.

Liebe Grüße, Martin

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Hi, I’m Martin and I love hiking.

I did my first big hike on the Camino de Santiago in 2012. Since then, I’ve just loved being out on trails. Read more

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